Schnauze, Alexa!: Ich kaufe nicht bei Amazon, Vorsicht! Dieses Buch liefert überzeugende Argumente; Johannes Bröckers; Westend Verlag

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… nach bestem Wissen die reine Wahrheit…

So gemäss §64 der Strafprozessordnung, der §§ 392 und 481 der Zivilprozessordnung der bedeutsame Teil der Worte, die der Vorsitzende Richter an einen zu vereidigenden Zeugen in einem Prozess richtet.
In diesem prinzipiell schnell zu lesenden, 83 Seiten umfassenden, inhaltlich aber sehr schwergewichtigen Büchlein bringt der Autor nichts anderes als die Wahrheit zum Ausdruck.
Als da sind den von Jeff Bezos und seinem weltweit agierenden Unternehmen zielgerichtet und sehr ‚subtil‘ vorangetriebene Konsum’terror‘. Mit all seinen negativen Auswirkungen. Für Produzenten, für Konsumenten, für die Umwelt. Er gibt auf den paar Seiten jedem des Nachdenkens mächtigen Leser mehr als genug Gedankenanstösse, sich mit den eigenen Einkäufen bei Amazon, zu seiner Amazon Prime-Mitgliedschaft, den mit dem elektronischen (‚Stasi-‘) Spitzels namens Alexa verbundenen Risiken auseinander zu setzen. Sich Gedanken über die noch weiter gehenden Risiken der bevorstehenden Alexa-to-Go-Geräten zu machen. Beispiels können in Musikstücken Befehle integriert werden, die der Mensch nicht hören kann, Alexa oder auch andere ‚SmartSpeaker‘ wie Google Home sehr gut verstehen. Zusammengefasst, sich gründlich zu überlegen, ob das Home unbedingt ein SmartHome sein muss…

Wieso erleiden Produzenten negative Auswirkungen?
Ganz einfach, wenn der Online-Händler feststellt, dass ein Produkt der absolute Umsatzbringer ist, wird dieses Produkt in eigener Regie hergestellt, natürlich irgendwo auf der Welt möglichst kostengünstig und unter eigenem Label vermarktet. Die ‚eigenständigen‘ Produzenten werden hinsichtlich ihrer Preisgestaltung geknebelt.

Wieso negative Auswirkung für Konsumenten?
Weil sie sehr subtil dazu verleitet werden, mehr und noch mehr bei Amazon zu bestellen. Mit den unaufgefordert auftauchenden Hinweisen nach dem Motto: „… das könnte sie interessieren“, „… andere Kunden kauften auch…, … andere Kunden haben sich Folgendes angeschaut…“ und so weiter. Diese Methode beschreibt der Autor mit einem sehr schönen Beispiel gleich zu Beginn des Büchleins.

Wieso negativ für die Umwelt?
Päckchen für Päckchen, Paket für Paket wird per Post-, hermes-, DHL-, UPS- oder sonstigem Lieferwagen vor die Haustüre gekarrt. Bei Nichtgefallen geht alles wieder per Lieferwagen retour. Die damit verbundene Luftverschmutzung wird der Bequemlichkeit wegen ausser Acht gelassen.

Nicht alles, was mit dem extrem erfolgreichen Amazon-Konzept verbunden ist, kann der Autor endgültig auf- und erklären. Zum Beispiel entziehen sich die nicht minder geschickt konstruierten Steuervermeidungsstrategien der Öffentlichkeit nahezu vollständig. Dass die Steuerzahlungen von Amazon im Vergleich zu den erzielten Umsätzen und Gewinnen minimal sind, ist bekannt. Dass die die Bezahlung der Logistik-Mitarbeiter schlecht ist, ist bekannt. Von deren Arbeitsbedingungen (Videoüberwachung, kein Betriebsrat etc.) mal ganz zu schweigen.

Was tut der Gesetzgeber, also Politik und Regierung gegen diesen massiven Betrug der Gesellschaft? Ebenso viel wie gegen den eklatanten Betrug von VW, Audi, Mercedes, BMW, Opel und all den anderen im Dieselskandal? Nämlich nichts!

Trotz dieser Kenntnisse wird beim grössten Online-Händler munter weiter bestellt. Dessen Umsatz und Gewinn weiter gesteigert. Die Umwelt weiter und immer weiter belastet. Der kleine Buchhändler, der schön brav, zähneknirschend aber doch, seine Steuern bezahlt hat, muss sein Geschäft schliessen. Klamotten-Geschäfte verschwinden, die kleinen selbständigen Radio- und Fernsehhändler sind eh schon lange weg. Usw., usw.
Wie zitiert Johannes Bröckers auf Seite 63 den Song von ABBA so treffend? „The winner takes it all“. Sobald er alles hat, kann er die Spielregeln endgültig nach Lust und Laune bestimmen.

Also „Schnauze, Alexa!“

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