Schaden in der Oberleitung: Das geplante Desaster der Deutschen Bahn; Arno Luik; Westend Verlag | Schaden in der Oberleitung: Das geplante Desaster der Deutschen Bahn; Arno Luik; Westend Verlag

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Unfassbar, was bei der Deutschen Bahn AG  mit voller Unterstützung der Politik abgeht!!

 

Durch die ersten 98 Seiten MUSS man sich etwas durchkämpfen. Nicht, weil diese uninteressant wären. Ganz im Gegenteil. Hier schildert der Autor alles, was es im Zusammenhang mit dem zukünftigen Katastrophen-Tiefbahnhof Stuttgart 21 zu wissen gilt. Zu eng dimensionierte Fluchtwege, ein eigentlich für Eisenbahnzüge zu starkes Gefälle in beziehungsweise eine zu starke Steigung aus dem Tiefbahnhof. Zu wenige Bahnsteige, um auch nur annähernd an die von der ‚Oberleitung‘ der Bahn und der Politik versprochene Frequenz der Bahnreisenden zu erreichen. Kilometerlange Tunnels, um die bewährten automatischen Bremssysteme der Züge einsetzen zu können. Um nur ein paar Fakten aufzuführen. Dass die Tunnel durch den tückischen, kaum beherrschbaren Stuttgarter Untergrund führen, Stichwort Gipskeuper, hatte sich zwar unter den Gegnern von S21 rumgesprochen. Wahrscheinlich auch unter den Befürwortern von S21. Die diese Tatsachen dann aber lieber wieder totgeschwiegen haben.

Diesbezüglich lese man einfach mal den Beitrag der Stuttgarter Zeitung vom 06. Oktober 2013 mit dem Titel „Die Tücken des Gipskeupers“…

Wer diese Ausgabe der Stuttgarter zufälligerweise nicht (mehr) zur Hand hat: das Internet hilft weiter.

Weswegen man sich durch diese ersten knapp 100 Seiten durchkämpfen muss? Arno Luik hat mit all seinen Feststellungen zu S21 sicher recht. Auch mit all den politischen Machenschaften, den offiziell verkündeten und dennoch grottenfalschen Begründungen, weswegen S21 eine ‚alternativlose‘ Notwendigkeit sei. Allerdings wiederholt sich der Autor immer wieder mal. Etwas mühsam zu lesen.

 

ABER DANN geht es erst richtig los!!

Nicht nur, dass sehr genau nachgewiesen wird, dass die Deutsche Bahn seit Jahrzehnten gezielt und bewusst gegen Artikel 87e des Grundgesetzes verstossen wird. Dort steht unter (4) geschrieben: „Der Bund gewährleistet, daß dem Wohl der Allgemeinheit, insbesondere den Verkehrsbedürfnissen, beim Ausbau und Erhalt des Schienennetzes der Eisenbahnen des Bundes sowie bei deren Verkehrsangeboten auf diesem Schienennetz, soweit diese nicht den Schienenpersonennah-verkehr betreffen, Rechnung getragen wird.“ Punkt. 

Stattdessen wird die Deutsche Bahn mit Milliarden an Steuergeldern unterstützt für unsinnige Projekte wie die durch 22 Tunnels und über 37 neue Brücken führende betonierte ICE-Strecke München – Berlin. „Die Züge legen die Strecke zwischen den beiden Metropolen in drei Stunden und 58 Minuten zurück und sind daher für viele eine Alternative zum Flugzeug. Normale ICE mit häufigeren Stopps brauchen mindestens 4:25 Stunden.“

10 Milliarden Euro Baukosten für eine 27 Minuten kürzere Fahrzeit..???

Wobei die neue Strecke aus technischen Gründen nicht einmal wie in der Planungsphase versprochen von ‚leichten Güterzügen‘ befahren werden kann… Von der Energieverschwendung beim Bau der Tunnels, der Brücken, beim Durchrasen der Züge durch die Tunnels mal ganz abgesehen.

Wie viele heruntergekommenen Bahnhöfe in der Provinz hätten sich für 10 Milliarden Euro sanieren lassen? Kleiner Hinweis: 1 Milliarde sind 1.000 Millionen…

Wie viele stillgelegte Bahnstrecken in der Provinz liessen sich mit den wahrscheinlich 10 oder 12 Milliarden Euro, die in S21 sinnlos versenkt werden, reanimieren, um den Bestimmungen des Grundgesetzes gerecht zu werden?

Das die ‚Oberleitung‘ der Bahnverwaltung in Form der ehemaligen oder seienden Vorstandsmitglieder A. Doll, H. Dürr, R. Grube, H. Mehdorn, R. Pofalla, O. Wiesheu mitsamt deren minimalen bis gar keiner Erfahrung in der Welt der Eisenbahnen ebenfalls analytisch beleuchtet werden, ist bei dem „Schaden in der Oberleitung“ unerlässlich.

Auch der verdeckt geführte Kampf der diversen Verkehrsminister gegen die Deutsche Bahn und damit Art. 87e GG durch die absolute Präferenzierung des Strassennetzes, des Auto- und Schwerlastverkehrs kommt nicht zu kurz. Da drängen sich doch glatt Fragen auf wie „Wiesheu? War der nicht mal Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Verkehr und Technologie? Der, der im September 2003 die in einem Regionalverkehrsvertrag vorgesehenen Bahnkilometer zu rund 70 Prozent der darin vorgesehenen Verkehrsleistung direkt und ohne Ausschreibung an die Deutsche Bahn vergeben hat?“

Oder „Pofalla? Der war doch mal bis 2013 Kanzleramtsminister, ehe 2014 bekannt wurde, dass er in den Vorstand der Deutschen Bahn AG berufen wird… Häh?“ Da klappt der Unterkiefer runter und man staunt nur noch.

Na, dann mal schauen, wo der bescheuerte aktuelle Verkehrsminister landen wird: Im Vorstand eines bayerischen Automobilherstellers mit drei Buchstaben im Namen? Oder doch im Glaspalast der DB AG am Potsdamer Platz zu Berlin? In einem Eckbüro in der obersten Etage?

Kurz und gut: Das Buch liest sich wie ein Krimi, Ist aber keiner. Es schildert nur die Realität, mit welcher Dreistigkeit die Deutsche Bahn alle Bürger, alle Kunden, alle Eisenbahn-reisenden verars…

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