Die Reichsbahn und die Juden 1933-1939: Antisemitismus bei der Eisenbahn in der Vorkriegszeit | Die Reichsbahn und die Juden 1933-1939: Antisemitismus bei der Eisenbahn in der Vorkriegszeit

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Deutsche Willfährigkeit und Deutscher Bürokratismus macht scheinbar jedes Denken überflüssig…

Eines gleich vorneweg: das Buch ist insofern recht schwer zu lesen, als dass es jede Menge Personennamen, häufig auch mit Mitgliedsnummer samt Eintrittsdatum in die NSDAP aufführt. Sehr oft auch Namen, Lebenslauf und Lebensumstände der Opfer der Nazi-Diktatur und des Holocaust benennt und schildert.

Alles wie bei einer wissenschaftlichen Arbeit vorausgesetzt, nachprüfbar belegt.

Die im Titel genannten Jahreszahlen geben es schon an, es geht dem Autoren in diesem Werk nicht um die extremsten Formen der von der Deutschen Reichsbahn mit typisch deutscher Perfektion organisierten Menschenmassentransporte in die verschiedenen Konzentrationslager. Die Anfänge dieser Menschentransporte finden durchaus ihren wichtigen Platz. Aber eben nur die Anfänge. Die schon menschenverachtend genug waren.

Die wissenschaftliche Untersuchung hat zum einen die Verdrängung der jüdischen Mitarbeiter aus der Organisation der Deutschen Reichsbahn, vom einfachen Arbeiter bis in die höchsten Verwaltungsebenen, zum Thema. Es liessen sich hier viele Zitate aus dem Buch aufführen. Eines sei genannt: „Beamte arischer Abstammung, die mit einer Person nichtarischer Abstammung die Ehe eingehen, sind zu entlassen.“ (S. 133). So steht es in § 4 Abschnitt A Ziffer 6 der am 07. November 1933  in Kraft getretenen Personalordnung des Reichsbahngesetzes.

Spätestens ab Juli 1933 unterwarf sich die Reichsbahn vollständig den verworrenen Gedankengängen der Nazi-Diktatur: Einführung der Pflicht, den Hitler-Gruss zu zeigen, Einziehung einer „freiwilligen Spende zur Förderung der nationalen Arbeit“ durch Abzug von den Gehalts- und Lohnzahlungen, Kündigung der Mieter von Wohnungen, die den Mitarbeitern der Deutschen Reichsbahn gehörten, soweit die Mieter nicht den „Rassevorstellungen“ der Nazis entsprachen. Bildung einer bahninternen paramilitärischen Bahnschutztruppe, extreme Fahrpreis-Vergünstigungen nicht nur für diejenigen, die an Massenveranstaltungen wie einem „Reichsparteitag“ in Nürnberg beiwohnen wollten (unter Angabe konkreter Werte). Sondern eben solche Fahrpreis-Vergünstigungen für Fahrten von SS-Mitgliedern.

Aneignen von für die Reichsbahn günstig gelegenen Grundstücken, die in jüdischem Besitz waren, Usw. usw.

 

Das Buch gibt einen guten, ansatzweise nachempfindbaren Eindruck der Lebensumstände der betroffenen Menschen. Es erschreckt an vielen Stellen auch durch die Wiedergabe des technokratisch durchformulierten Beamten- und Gesetzesdeutsch. Es weist die absolut willfährige Unterwerfung der Deutschen Reichsbahn unter die Nazi-Doktrin auf.

Ein zweites, letztes Zitat von Seite 399: „Die Untersuchung zeigt, dass die Einordnung der Deutschen Reichsbahn in die Judenpolitik des Dritten Reiches uneingeschränkt und allgegenwärtig war.“

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Verfolgen Wolfgang Scharfenberger:

Diplom-Paedagoge (Erwachsenenbildung)

Vor ...zig Jahren hatte ich mein Studium mit dem Abschluß Diplom-Pädagoge, Fachrichtung Erwachsenenbildung, und berufliche Weiterbildung abgeschlossen. Anschließend war ich einige Jahre bei Thorn EMI im damals gerade geschaffenen Bereich Software-Entwicklung und Vertrieb tätig. Im seinerzeitigen us.amerikanischen PC-Fachmagazin BYTE las ich die ersten begeisterten Berichte über das Textverabeitungssystem WordPerfect, welches noch von SSI (Satellite Software Inc.) entwickelt und vertrieben wurde. Aus der SSI wurde später die international tätige WordPerfect Corp., aus WordPerfect wurde der Weltmarktführer im Bereich Textverarbeitung und aus mir wurde der Product Manager der WordPerfect GmbH mit Sitz in Eschborn. Zuständig für Handbuchübersetzungen, Support, landesspezifische Anpassungen, Produktentwicklungen dür den deutschsprachigen Raum (Deutschland, Schweiz, Österreich). Anfang der neunziger Jahre habe ich mich zum einen auf die Schreiberei konzentriert. Daraus wurden bisher unter anderem drei Buchtitel, zehn Jahre Zuständigkeit für die Leserfragen des Südkurier im Rahmen der täglich im Mantel erscheinenden Seite "click!". Zum Zweiten auf die Durchführung von EDV-Seminaren. Gegenüber geschätzt 80.000 oder auch 90.000 TeilnehmerInnen habe ich bisher die teilsgut versteckten Möglichkeiten der verschiedenen Programme nahe gebracht. Mit allseitiger Freude an den Seminaren. Und mit sehr gutem Erfolg. Meine Seminarangebote sind unter der URL www.comin-online.com zu finden. Ein Teil der "Schreiberling"-Ergebnisse hier.