Atlas der verschwundenen Länder: Weltgeschichte in 50 Briefmarken; Björn Berge; dtv

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50 Länder, die wirklich existierten – zwischen 1840 und 1975

Das Buch werden sich auch Leser, deren Interessensschwerpunkt eigentlich nicht sooo sehr auf jüngerer Geschichte liegt, förmlich verschlingen. Denn Björn Berge zeigt mittels 50 Briefmarken der nicht mehr existenten Länder auf, was sich die Engländer, Franzosen, Spanier, Holländer, Dänen, US-Amerikaner, Türken, Japaner, Russen in den 135 Jahren alles an Verbrechen, unsäglichen Leiden geleistet haben.

„Van Diemen’s Land“, noch nie gehört? Kein Wunder, unter diesem Namen die Insel, etwa so groß wie Irland, südöstlich von Australien gelegen, nicht mehr geführt. Es handelt sich um Tasmanien und ist heute ein Bundesstaat Australiens. 1803 bis 1856 war es eine der gefürchtetsten Strafkolonien der Briten. Die sich entschlossen hatten, die die Insel der meistfrequentierten Seefahrtrouten in den südlichen Teil des Pazifik wegen als Kolonie besetzten. Und nebenbei nicht nur sämtliche Kängurus ausrotteten und damit den geschätzt 3.000 bis 7.000 Ureinwohnern, den Aborigines ihre Lebensgrundlage nahmen. Sondern, nachdem diese in ihrer Verzweiflung ein paar britische Farmen anzündeten und deren Bewohner umbrachten, die Aborigines ebenso ausrotteten. Angesichts solcher Massenmorde schwafelt der ehemalige britische Aussenminister Boris Johnson in seinem Rücktrittschreiben vom 09. Juli 2018 davon, Groß-Britannien drohe, eine enge Beziehung zwischen Großbritannien und der EU nach dem Brexit „läuft auf den Status einer Kolonie hinaus“…

„Hatay“, noch nie gehört? Der Staat existierte ein Jahr zwischen 1938 und 1939 in der Gegend von Aleppo. Dort wurde der Völkermord an den Armeniern, der 1915 begann, fortgesetzt. Bis Hatay zu dem wurde, was es heute noch ist: die südlichste am Mittelmeer gelegene Provinz der Türkei…

„Mandschuko“, Am Nabel des Bösen? War im Grunde eine Kolonie der Japaner. Existierte mit seinen mehr als 30 Millionen Einwohnern von 1932 bis 1945.

So geht es hochinteressant Seite um Seite weiter. Wie es der Untertitel schon zum Ausdruck bringt „Weltgeschichte in 50 Briefmarken“. Die Abbildungen der Briefmarken sind gegenüber den Originalen natürlich vergrössert, gut zu erkennen. Und zu allen erwähnten Ländern gibt es weiterführende Informationshinweise. Sei es auf Romane, auf Spielfilme wie „Dr. Schiwago“, den Kassenknüller des Jahres 1966. Der unter anderem „Demokratischen Fernöstlichen Republik“, gegründet 1920, untergegangen zwei Jahre später, spielt.

Dass Björn Berge hier nichts zusammen phantasiert, belegen zum einen die Anmerkungen und Quellenverzeichnisse, die fünfeinhalb Seiten des Anhangs belegen. Das sich daran anschliessende Literaturverzeichnis umfasst weitere sieben Seiten.

Das Buch ist vom Sprachstil her gut und spannend zu lesen. Wobei es konsequenterweise weder ein Krimi noch ein blutrünstiger Thriller oder grausamer Horrorroman ist. Es ist bestens recherchierte, belegte, nachprüfbare Geschichte!

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