Albulabahn – Harmonie von Landschaft und Technik, Gion Rudolf Caprez, Peter Pfeiffer, AS Verlag (Schweiz)

Auflage des Buches 2003; Beginn der Bauarbeiten 1898…

„Es gibt Dinge, die sind seit ihrer Entstehung perfekt.“ So der erste Satz des Textteils in diesem wirklich schönen, interessanten, informativen Bildband. Der vor historischen Schwarz/Weiß-Fotos nur so strotzt.

Wer das Glück hatte, mindestens einmal mit der Albulabahn von Landquart oder Davos zumindest bis Preda, der letzten Station vor dem knapp 6 km langen Albulatunnel zu fahren, kann der oben zitierten Aussage nur zustimmen. Und wer dann das noch größere Glück hatte, diese einmalige Bahnstrecke in einem ‚Cabrio-Zug‘ zu geniessen, findet die zitierte Aussage stark untertrieben. Zur Erklärung: die Rhätische Bahn bietet während der Sommerzeit einige Fahrten an, bei denen die Fahrgäste in offenen Güterwagons, mit einfachen Holzbänken ausgestattet, untergebracht sind. Ein intensiveres Erleben der absoluten Meisterleistung der damaligen Ingenieure und vor allem der Arbeiter ist nicht vorstellbar. Informationen über diese ‚Cabrio-Fahrten‘ sind auf der Internetseite der Rhätischen Bahn (rhb.ch) zu finden. Hinweis aus praktischer Erfahrung: wer sich dem Genuss einer solchen Cabrio-Fahrt hingeben will, sollte eine warme Jacke mitnehmen. In den Tunneln ist es auch im Hochsommer empfindlich kühl bis kalt.

Der Bildband macht es möglich, dieses Bahnerlebnis gedanklich zu wiederholen beziehungsweise sich auf die nächste Fahrt auf dieser Strecke zu freuen. Die Planung, der Bau, die Schwierigkeiten und Probleme, die bewundernswerte Leistung der Arbeiter, die die insgesamt 62 km lange Strecke mit ihren 144 Brücken und 42 Tunnels durchs Gebirge und im Gebirge realisiert haben, alles wird gedanklich nachvollziehbar dokumentiert. Die Höhendifferenz von Landquart auf 560m Höhe bis hinauf nach Preda in 1790m Höhe wird teilweise auch mit Tunnel, die sich schneckenförmig im Berg nach oben winden, bewältigt. Wobei sich die ganze Bahnstrecke mit all ihren weiten Bogen, Brücken, Viadukten, Tunnelein- und -ausfahrten sich harmonisch in das von der Natur vorgegebene Landschaftsbild einfügt. Die unabänderlichen Vorgaben der Natur, der Alpen und Täler werden nicht zerstört. Im Gegenteil: die Strecke passt sich den natürlichen Vorgaben harmonisch an wie weltweit wenig andere technische Bauwerke.
Die Landschaft, die (Hand-) Arbeiten der Tunnel-, Brücken und Trassenbauer, deren Alltagsleben, die Eröffnungsfeiern des einen oder anderen Bahnhofs, die Anfänge des zwischenzeitlich mondänen St. Moritz etc. etc., alles wird beim Lesen und Betrachten der Fotos deutlich.

Nicht nur für diejenigen, die einen Sinn für Eisenbahnen haben, sondern alle, die es gewohnt sind so schnell wie möglich per Flugzeug, ICE oder grottenlangweiliger Autobahn von A nach B zu kommen, werden an diesem Buch ihre helle Freude haben. Und sich danach auf ihre erste oder auch x-te Fahrt mit der Albula-Bahn freuen. Um danach den Bildband zum x-ten Mal aus dem Regal zu holen.

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